Jakobspilgerweg
Pilgern ist Unterwegssein, sagt man. Es beinhaltet vieles: Das Aufbrechen,
das Gehen, das Rasten und Ausruhen, das Ankommen, Einkehren und sich Verabschieden,
die Wegsuche, den Irrweg, die Ankunft, die Wandlung, die Heimkehr.
Das Hingehen zu "heiligen Orten" ist in allen Weltreligionen Jahrtausende
alt. In der Geschichte des Christentums spielen neben unzähligen regionalen
heiligen Stätten vor allem Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela eine
herausragende Rolle.
"Jakobswege" durchzogen im Mittelalter ganz Europa wie ein engmaschiges
Netz: Von Istanbul, Krakau, Danzig, Helsinki, Lübeck, Dover, Dublin, Antwerpen,
Maastricht und vielen anderen Orten führten sie die Pilger durch Deutschland
und Frankreich hindurch bis nach Spanien. Sie sind die prominentesten Beispiele
wirklicher "Routen des Glaubens, der Buße und des Gebetes".
Kein Wunder, dass der Europarat 1987 die Jakobswege "zur ersten europäischen
Kulturstraße Europas" erklärt hat, begegnen sich auf ihm doch
seit über tausend Jahren die Völker Europas. Der bekannte Wegabschnitt
ist der "Camino frances", der die Iberische Halbinsel von den Pyrenäen
im Osten bis zum Cap Finisterre, im äußersten Westen gelegen, auf
einer Länge von ca. 900 km durchquert. Die unzähligen mittelalterlichen
Herbergen, Hospitäler, Klöster, Kirchen und Kapellen am Wege sind
ein beredtes Zeugnis davon.
Der Süden und Südwesten Deutschlands haben aufgrund ihrer geographischen
Lage eine besonders ausgeprägte Jakobustradition. Unsere nähere Heimat
war seit eh und je Durchgangsstation für Pilger aus dem Norden und Osten
Europas. Eine Vielzahl von Kirchen und Kapellen sind auf den Namen des Heiligen
geweiht. Unzählige Male ist der Apostel als Statue, auf Altären, Bildtafeln
und initialen Buchmalereien dargestellt worden. Gassen, Straßen und Plätze,
Quellen und Brunnen, Herbergen und Gasthäuser und nicht zuletzt zahllose
Frauen und Männer tragen seinen Namen weiter, auch durch die heutige Zeit.