Markt Zell am Main

Seitenbereiche

Schriftgröße ändern
Navigation

Die Theater-Company Zell brilliert beim Sommertheater

Die Theater Company Zell bei der Premiere "Herr, öffne meine Lippen"

Zell, anno 1749/2019. In beiden Jahren flammte in Zell der Hexenwahn auf und zog die Blicke auf den Ort. 
1749 geriet Zell wegen des spektakulären Hexenprozesses um die Subpriorin des Unterzeller Frauenkonvents der Prämonstratenser, Maria Renata Singer, in den Fokus der Öffentlichkeit.
2019 erwartete man gespannt die Inszenierung der damaligen Geschehnisse beim  Theaterstück „Herr, öffne meine Lippen“ durch die Theater-Company Zell unter Leitung von Norbert Bertheau. Die Gemeinde Zell hatte das Stück bei Roman Rausch in Auftrag gegeben und der gemeindliche Arbeitskreis Kultur kümmerte sich mit zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern als Veranstalter um die Organisation, Logistik und die Bewirtung der Gäste. Das überaus große, überregionale Interesse für das Thema und dessen Umsetzung zeigte der rasante Verkauf der Eintrittskarten für die sechs Vorführungen. Zur Premiere konnte die Bürgermeisterin viele Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, den bei den Recherchen von Roman Rausch unterstützenden Theologen und Historiker Herrn Dr. Soder von Güldenstubbe, die Generaloberin des Klosters Oberzell, Sr. Katharina, die stellv. Landrätin Haupt-Kreutzer, den Hausherrn Pfarrer Fuchs und viele Bürger sowie auswärtige Gäste begrüßen.

Aufgeführt wurde das Stück im Vorhof der evangelischen Versöhnungskirche in Zell, am Originalschauplatz, dem ehemaligen Kloster Unterzell. Die beeindruckende Klosterruine, die die Zuschauer empfing und während der Aufführung umgab, war bewusst Teil der Inszenierung. Die Zuschauer wurden mitten ins Geschehen versetzt, waren selbst eingeschlossen von hohen Mauern. Sie fühlten am eigenen Leib das damals bedrückende, düstere Klosterleben - abgeschottet von der sich wandelnden Welt während der Aufklärung Mitte des 18. Jahrhunderts. Das äußerst karge Bühnenbild, machte es dem Zuschauer leicht, sich ohne Ablenkung in die einzelnen textreichen Rollen und deren Emotionen zu versetzen.
Eingeschlossen, der Machtbesessenheit und dem Sadismus der männlichen Geistlichen des Klosters ausgeliefert, sind es im Stück dann die Schwestern, die abgeschoben von der eigenen Familie, teils krank oder verhaltensgestört ihr Dasein im Kloster fristen. 

Das Stück beginnt mit dem klösterlichen Sprechgesang der Ordensschwestern und dem ersten Auftritt der Katze, gespielt von der Tänzerin und Choreografin Lisa Kuttner. Die Katze steht im Stück symbolisch für die Ängste, das Wahn- und Triebhafte, für den Teufel und die Verführung, aber auch physisch für die „Hexe“ Maria Renata Singer. Durchbrochen wird die Monotonie des Sprechgesangs durch die flehenden Schreie der jungen Monika (je 3 Vorführungen: Theresa Watzke, Sophie Theiler), die von ihren Eltern ins Kloster abgeschoben wird und die Verkörperung des Widerstands gegen das strenge und ungerechte Klosterregime ist. Mit ihrer brutalen Einkleidung und die teuflische Umgarnung durch die Katze nimmt das Drama um die strenge Subpriorin Maria Renata Singer von Mossau, deren Denunziation und schließlich Verurteilung und Hexenverbrennung ihren Lauf. 

Es wird schnell klar, dass es sich beim Stück nicht um eine effekthaschende Inszenierung des Hexenprozesses handelt, sondern um eine historische Spurensuche, basierend auf fundierter Recherche durch den Autor Roman Rausch. Beeindruckend meistern die Amateure der Theater-Company Zell die wortreichen Mono- und Dialoge. Ausdrucksstark in Mimik und Gestik verkörpern sie die Klosterbewohner mit all ihren perfiden Trieben, realen Ängsten und Wahnvorstellungen. Die Schauspieler schaffen es ausnahmslos, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen und bringen überzeugend die Erkenntnis, dass durch Angst und Hysterie, Wahn und Niedertracht jeder Mensch zum Beschuldigten werden konnte und auch heute noch kann. 
Obwohl Maria Renata Singer in dem Kommissionsvorsitzenden Barthel (Dieter Wendel) einen Verteidiger im Kloster hat, scheitert dieser letztlich mit seinem Versuch, ihr Leben zu retten. Mit dem Auftritt des Dr. Friedrich, gespielt vom Zeller Gemeinderat Bernd Spengler, der als externer Arzt und aufgeklärter Jesuit ins Kloster kommt, kommt dann die späte Erlösung vom Hexenwahn. Er verbannt die Auslöser der Angst, die Brüder Siard (Jürgen Hupp), Loschert (Martin Wohlleber) und Traub (Reinhard Hemrich), aus dem Einflussbereich der Schwestern und befreit sie somit von ihren Dämonen. Die Aufführung endet – wie sie begann – mit einem Auftritt der mutigen Monika, die ihre Ordenstracht ablegt und zum Publikum gewandt, die Freiheit verkündet. 

Die Begeisterung des Publikums für die Darbietung zeigte sich in langem Applaus und Standing Ovations. Eine Auszeichnung für die Theater-Company Zell, wie auch für die Ehrenamtlichen Mitarbeiter des verantwortlichen, gemeindlichen Arbeitskreises Kultur, die viel Zeit in die Vorbereitung und Durchführung gesteckt hatten. Und so geriet Zell a. Main mit dem Theaterstück „Herr, öffne meine Lippen“ ein weiteres Mal in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Marktgemeinde als Initiator und Finanzier ist stolz über die positive Aufmerksamkeit und die fabelhafte Umsetzung des Theaterprojekts, die das kulturelle Leben im Landkreis Würzburg anhaltend bereichert hat.

Mitwirkende beim Theaterstück „Herr, öffne meine Lippen“

Herr, öffne meine Lippen

Ein Theaterstück von Roman Rausch

Aufgeführt von der Theater-Company Zell

 

Veranstalter: Arbeitskreis Kultur Zell am Main, Markt Zell a. Main

 

Regie, Bühnenbild: Norbert Bertheau

Regieassistenz: Ulrike Kohl

Kostüme: Birgit Leimkötter, Susanne Grimm Als Gast / Tanz, Choreografie: Lisa Kuttner

Monika – Theresa Watzke (18., 19., 20. Juli), Sophie Theiler (26., 27. Juli)

Theresia – Anna Feuerbach

Walburgis – Petra Baunach (18., 19., 20. Juli), Birgit Leimkötter (26., 27. Juli)

Cäcilia – Edith Karamas

Alexandra – Susanne Grimm

Antonia – Barbara Wirth

Die Katze – Lisa Kuttner 

Siard – Jürgen Hupp

Barthel – Dieter Wendel

Traub – Reinhard Hemrich 

Loschert – Martin Wohlleber 

Jesuit – Nathan Wohlleber 

Schloth – Markus Ettlinger 

Venino – Gisbert von Liebieg

Dr. Friedrich – Bernd Spengler

 

Das Theaterstück wurde unterstützt durch den Bezirk Unterfranken, das Landratsamt Würzburg, die Sparkassen-Stiftung für den Landkreis Würzburg.

Außerdem von der Kanzlei Rechtsanwälte Spengler & Kollegen sowie dem Echter Verlag.